NOW Kommentar: Precht und der Moralismus, den er nicht versteht
#NOW #Kommentar: #Precht und der #Moralismus, den er nicht versteht
#Gütersloh, 29. November 2025
Richard David Precht hat es wieder getan: eine treffende #Diagnose – und eine komplette #Verwechslung der Ursachen. Im #Fernsehen konstatiert er, man dürfe Alice #Weidel beleidigen, Robert #Habeck aber nicht. Seine Beobachtung stimmt. Seine Erklärung nicht.
Precht beschreibt den #Doppelstandard, aber er versteht ihn nicht. Er deutet ihn als #mediale #Schieflage, als #Empörungsphänomen, als #Denkverbot. Doch der Mechanismus ist viel banaler und viel tiefer: #Moralismus funktioniert durch Rollenverteilung. Die eigenen sind »gut«, die anderen sind »böse« – und daraus ergeben sich asymmetrische Regeln. Das ist kein mediales Problem, sondern ein #sozialpsychologisches. Und es ist älter als jede #Talkshow.
Precht sieht, dass die #Matrix verzerrt ist, aber nicht warum. Er analysiert die Oberfläche und übersieht das System dahinter. Das ist typisch für ihn: #tagesaktuell, #spritzig, #rhetorisch #brillant, #alert, #eloquent – und gleichzeitig erstaunlich #ephemer. Kaum etwas bleibt, kaum etwas entwickelt sich weiter. Jede Woche eine neue Mini #Theorie, selten eine tragfähige Linie.
Natürlich ist das überspitzt, aber der Punkt bleibt: Precht ist stark in der #Pointe, schwach in der #Struktur. Er erkennt #Symptome, aber nicht die sozialpsychologische #Architektur, die sie trägt. Gerade beim Moralismus zeigt sich das deutlich: Er kritisiert ihn lautstark – doch die #Logik, die ihn produziert, entgleitet ihm.
Das Resultat: wieder eine richtige Beobachtung, wieder eine falsche Erklärung. Und wieder eine verpasste Chance, die Sache wirklich zu durchdringen. Precht bleibt der #Philosoph des Augenblicks – brillant im Moment, aber selten darüber hinaus.
